Nachrichten aus den Produktionsländern - Nachrichten aus Bangladesch
Sauberes Trinkwasser für Textil-Communities in Bangladesch
Toxische Chemikalien aus der Textilindustrie gefährden in Bangladesch die Gesundheit ganzer Gemeinden. Mit Brunnen, Filtersystemen und Community-based Monitoring schaffen wir gemeinsam mit lokalen Partner*innen Zugang zu sauberem Trinkwasser – und stärken die Menschen vor Ort in ihrem Einsatz für langfristige Veränderung.
Giftige Chemikalien aus der Textilindustrie bedrohen in Bangladesch nicht nur Flüsse, Böden und Tiere – sondern auch die Gesundheit und Existenzgrundlage ganzer Gemeinden. In den Textil-Hubs rund um Dhaka leben viele Menschen direkt neben Fabriken, kontaminierten Abwasserkanälen und Gewässern. Viele von ihnen arbeiten selbst in der Textilindustrie (rund 75%) und sind den Schadstoffen damit doppelt ausgesetzt: am Arbeitsplatz und zu Hause.
Ein aktueller Bericht von ESDO und HEJSupport bestätigt, was die betroffenen Gemeinden seit Jahren erleben: Wasser, Böden und Abwasser in mehreren Industriegebieten sind mit gefährlichen Chemikalien belastet. Nachgewiesen wurden unter anderem PFAS, chlorierte Paraffine, hormonell wirksame Chemikalien, Schwermetalle und weitere problematische Substanzen aus der Textilproduktion.
Einzelne Ergebnisse sind besonders alarmierend: In untersuchten Proben lagen bestimmte PFAS-Werte um ein Vielfaches über internationalen Trinkwasser-Richtwerten. Auch kurzkettige chlorierte Paraffine, die langlebig und giftig sind, wurden in bedenklicher Konzentration gefunden. In Bodenproben wurde zudem Blei oberhalb des landwirtschaftlichen Sicherheitswerts Bangladeschs nachgewiesen. Bei Haaranalysen von Bewohner*innen lagen mehrere Quecksilberwerte über dem empfohlenen Sicherheitswert.
Für die Menschen vor Ort hat diese Belastung unmittelbare Folgen. Sie berichten von Hautausschlägen, Atemwegsproblemen, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Augenreizungen und chronischer Erschöpfung. Auch Nutztiere wie Kühe, Ziegen und Hühner erkranken, wenn sie kontaminiertes Wasser trinken oder belastete Pflanzen fressen. Für die Familien ist dies besonders dramatisch, denn sie sind wegen niedriger Löhne und unsicherer Arbeit auf Tierhaltung und den Anbau von Lebensmitteln angewiesen.
Sauberes Trinkwasser wird deshalb dringend gebraucht: Gemeinsam mit unseren Partner*innen ESDO, AGROHO, Drip by Drip e.V. setzt FEMNET dort an, wo Hilfe sofort gebraucht wird. Es werden Brunnen und Filteranlagen installieren, damit betroffene Familien zuverlässig sauberes Trinkwasser erhalten.
Gleichzeitig bleibt unser Ansatz langfristig: Durch Community-based Monitoring im Zuge unserer Multiakteurspartnerschaft dokumentieren die Menschen vor Ort Umweltbelastungen, Gesundheitsprobleme und Veränderungen in ihrer Umgebung. Die gesammelten Daten schaffen eine Grundlage, um Forderungen an Behörden, Fabriken und internationale Unternehmen zu stellen. Denn die Verantwortung darf nicht bei den Betroffenen liegen – sie liegt bei den Verursachern der Verschmutzung und bei den globalen Lieferketten, die davon profitieren.
Downloads
- Community-based Monitoring of Industrial Chemical Pollution in Textile Communities in Bangladesh.
Multi-actor Partnership for Improved Due Diligence Implementation in the Textile Sector (PDF-Datei) - Multi-actor partnership for improved due diligence implementation in the textile sector
via worker- and communitybased monitoring (PDF-Datei)
- Kategorie: Nachrichten aus Bangladesch